Bassersdorfer Brunnenrundgang

Stand 01.07.2015)

1 Bacheinstieg

Standort: Geerenweg / altes Primarschulhaus

Vorerst aber war es nicht der Brunnen, sondern der Altbach, dem unsere Vorfahren die Aufmerksamkeit schenkten. Sie bauten ihre Häuser dem Bach entlang, zu ihm hinunter führten sie Rampen und bauten sie «Bachstägli». Über die Rampe hinunter führten sie ihre Pferde zum «Bade», und zum Baden diente er im Sommer den Buben des Dorfes (nur den Buben!). Mit dem Bachwasser reinigten sie ihre Fässer, Standen und Gelten, und aus dem Bach schöpften sie das Wasser, das die Hausmütter für ihre halbjährliche grosse Wäsche brauchten. Dazu war sehr viel Wasser nötig. Bis nur schon die grossen «Dohlechessi» gefüllt waren, worin die Wäscherinnen die Aschenlauge sotten!
Und dann: 10- bis 15mal schütteten sie die schmutzige Wäsche an, bis sie endlich in der mächtigen «Wäscherstande» mit dem eigentlichen Waschen begannen. Da gab es viele Gelten und Tansen vom Bach oder vom Brunnen her ins Waschhaus oder in die Küche zu tragen. Und auch wenn die eine oder die andere Tanse mit einem verlängerten Rückenteil versehen war, durfte es manch einem Träger wie dem eigenwilligen Zürcher Oberländer Dichter Jacob Stutz ergangen sein, der, als Knecht verdingt, das Wasser herzutragen hatte: «Und als ich damit vorwärts ging, o wie es gutschte und spritzte und mich links und rechts auf die Seite stiess, schwankte gerade einher wie ein Betrunkener ... »
Die Bachverbauung entstand zwischen 1900-1908.

2 «kyburger Sodbrunnen»

Standort: Baltenswilerstrasse 2

Wie wichtig ihnen der Altbach war; das besondere Interesse unserer Dorfbewohner galt den Sodbrunnen, aus dem sie das Grundwasser bezogen. Dieses zu fassen erforderte ihre grösste Anstrengung. Das zeigt der Kyburger Sodbrunnen, der vor einigen Jahren von Ernst Morf und Mario Wegher freigelegt wurde. Damit die Handwerker von damals zum ersehnten Wasser kamen, mussten sie den Schacht ganze 12 Meter tief treiben, und zwar in Deckenschotter, der den Boden des Glattals füllt.
In diesem Boden aber einen Schacht mit einer lichten Weite von fast einem Meter 12 Meter tief zu treiben, das war ein schwieriges Unterfangen. Mit einem Einsturz musste stets gerechnet werden. Er liess sich nur dadurch vermeiden, dass sie hölzerne Hohlzylinder von 60 bis 100 cm Länge absenkten, den einen über dem andere, bis sie das Grundwasser erreichten, und dass sie danach diese Hohlzylinder, von unten nach oben, durch das Mauerwerk ersetzten.
Solche Brunnen erwarben sich mit der Zeit mehrere Bauernfamilien, und Jakob Brunner, der Verfasser von Mein Heimatdorf - (Bassersdorfer Heimatbücher, Bd.II), erwähnt die tiefen dunklen Steinschächte, auf deren Grund er am helllichten Tage die Sterne des Himmels leuchten sah. Vielfach Überstieg aber dieser aufwendige Bau die finanziellen Möglichkeiten einer Bauernfamilie. Nachbarn schlossen sich dann zu Genossenschaften zusammen, um mit vereinten Kräften zum lebensnotwendigen Wasser zu kommen. Viele dieser Brunnen in unserem Dorf waren denn auch im gemeinsamen Besitz.
Der Brunnen, der vor dem Hause von Jakob Brunner stand, war ein Pumpbrunnen. Aus ihm pumpte er Abend für Abend den Trog voll Wasser für das Vieh, von ihm holte er täglich mit einer grossen Kupfergelte das Wasser für die Küche und füllte das grosse Schüefi (Stieleimer), aus dem die Familie mit dem Gätzi (Schöpfkelle) das Trinkwasser nahm.
Auch vom Kyburger Sodbrunnen schöpfte man vom 18. Jahrhundert an das Wasser nicht mehr mit einem an einem Seil befestigten Eimer. Auch er wurde damals in einen Pumpbrunnen umgewandelt. Man setzte ihm eine aus lauter Holzröhren zusammengesetzte Saugpumpe ein, mit deren Hilfe man das Wasser in einen Trog pumpte. Die Wasserbezüger hatten wohl noch vor ihrer Pumparbeit etwas Wasser durch einen Einfüllstutzen in das Bohrloch zu leeren, dennoch kamen sie fortan in kürzerer Zeit zu ihrem Wasser. Alle die Pumpbrunnen im Unterdorf hatten solche Holzröhren, die Teuchel oder Tüchelröhren genannt wurden, und erst im 19. Jahrhundert ersetzten die Brunnenbesitzer die hölzernen Rohre durch eiserne.
Der Sodbrunnenschacht an der Baltenswilerstrasse 2 wurde 1983 wieder instand gestellt.

3 Der erste «laufende Brunnen»

Standort: Schmitte / Baujahr 1793

Aber nicht die Bauersleute waren es, die die Initiative zum Bau eines solchen Brunnens ergriffen, sondern der Löwen-Wirt Salomon Bänninger. Er liess 1793 eine Quelle in der Schafmetzg fassen, eine Leitung bis auf die Höhe seines Gasthofs führen und diesem gegenüber, am Bachufer, den ersten «laufenden Brunnen» unseres Dorfes bauen. Mit den prächtigen Brunnen der Stadt, gar mit denen, die die «Wasserspiele» gaben, konnte er sich nicht messen. Immerhin, es darf doch festgehalten werden, dass sein Trog aus einem einzigen mächtigen Muschelkalkstein gehauen ist.
Und wenn diesem Trog das alte Bassersdorfer Wappen mit dem Reichsapfel eingemeisselt und dem Brunnenstock eine Brunnensäule mit einem stark profilierten Zierkapitell aufgesetzt wurde, das ganz dem Stil der Zeit entsprach, so wird sichtbar, dass der Löwen-Brunnen nicht nur gebaut wurde, um materielle Bedürfnisse zu befriedigen, dass er vielmehr auch als Schmuckstück und Wahrzeichen einer selbstbewussten bäuerlichen Gemeinschaft verstanden wurde.
Als die Bewohner im Chlupf im Jahre 1890 als letzte ihren «laufenden Brunnen» erhielten, waren andere Haushaltungen schon einen Schritt weiter gegangen: mit den Hauszuleitungen hatten sie sich ihren Alltag wesentlich erleichtert.

4 «Sudelbrunnen»

Standort: Klotenerstrasse 1 / Baujahr 1813/1886

Konnte der Mensch das Trinkwasser direkt ab der Brunnenröhre nehmen, so waren die zur Tränke geführten Tiere aber auf sauberes Wasser angewiesen. Wir verstehen deshalb, dass die Stadt das Reinigen von Gemüse und das Waschen des Geschirrs im Brunnen verbot, «als dadurch den pferden solches zu schaden gereicht.» Die grosse Zahl von Verboten und Verordnungen, mit denen die Stadt das Benützen der Brunnen einschränkte, diente aber letztlich dazu der Bevölkerung sauberes Trinkwasser zu gewähren. Der Zusammenhang von «gutem Wasser» und der Gesundheit war den Menschen von damals nämlich bekannt, sie brauchten nicht erst den zornigen Ausruf eines enttäuschten Wasserbezügers, dass es ekelhaft sei «dergleichen Wasser ohne dringendste Not oder in speise zu geniessen, wo sehr oft todte hunde, katzen drin ligen!» Unsern Vorfahren konnte man mit Verboten nicht beikommen. Sie bauten aber einzelne Brunnen mit zwei Trögen; der kleinere diente als «Sudelbrunnen». Damit hatten sie aber erst die Voraussetzungen für die erforderliche Ordnung geschaffen. Die weiteren Einschränkungen, die nötig waren, mussten sie sich selber, aus eigener Einsicht, auferlegen. Der Brunnen wurde für sie deshalb nicht nur der für die dörfliche Gemeinschaft so wichtige Ort der Begegnung, sondern auch Prüfstein für das Zusammenleben im harten Alltag.

5 Brunnen beim «Gemeindehaus B»

Standort: Karl Hüginplatz 1 / Baujahr 1870

Ehemaliger Standort: auf dem Sodbrunnen, Baltenswilerstrasse 2
heutiger Standort seit 1983

6 «Entenbrunnen, ein Kunstwerk» musste der Bachsanierung weichen

Standort: Dorfstrasse 3 / Baujahr 1957

Der Bach wurde 1956/57 überdeckt. Im Zuge dieses Bachüberdeckung schuf Sisinio Gianini, unser damaliger Dorfbildhauser, den «Entenbrunnen».

2012 wurde im Zuge des Hochwasserschutzverbauung (Bachverbauung mit grösserem Wasserdurchlass und Rückhaltebecken) dieser Brunnen samt den Enten entfernt.

Der Brunnen steht heute in der «Vorbuche» und die Enten sollen nach der letzten Bauetappe der Dorfbachsanierung (2018/19) bei der Schmitte ihr neues Zuhause finden.

7 Brunnen beim «Plätzli»

Standort: Winterthurerstrasse 17 / Baujahr 1870

8 Brunnen beim «Adler»

Standort: Winterthurerstrasse 32 / Baujahr 1797

Der Wunsch der Gemeindebürger, sobald als möglich einen solchen Wasserspender zu erhalten, ging allerdings nicht in Erfüllung. Zwar erhielt der Gasthof Zum Adler schon vier Jahre später 1797, seinen eigenen Brunnen.
Die Bewohnen der Chlupfgasse mussten sich aber noch fast 100 Jahre gedulden, bis 1890, und mit dem Pumpbrunnen vorlieb nehmen bis es ihnen als Letzte möglich war den Quellbrunnen zu erstellen.

Das Leben damals hatte eben noch einen andern Puls als heutzutage. Viele Dorfbewohner schlossen sich zwar wiederum zu Genossenschaften zusammen. Aber manch einer der tief verschuldeten Bauern mochte nicht einmal so in der Lage gewesen sein, eine weitere Belastung auf sich zu nehmen.

9 verschwundener Brunnen in der «Undermühi»

Standort: Untere Mühle 4 / Baujahr vor 1862 - Abbruch ?

10 «Wasserkanalsystem»

Standort: Sagiweiher-«Sideweg» / Baujahr ……

Auf der linken Seite des Fussweges von der Sagi bis zur Untere Mühle sind der trockengelegte Wasserkanal und die Schieber noch sichtbar.
Auf dem Gygerplan von 1658 sind die Unterwasserkanäle von Mühle und Säge eingezeichnet, welche in den Altbach geleitet wurde. Der Untermüller konnte so das volle Wasser der beiden Kanäle und dasjenige des Altbaches zugleich für seinen Betrieb nutzen. Der Wasserschieber im Altbach, beim «Pumpen-Schopf» in der Sagi, ist noch zu sehen.

11 Brunnen «im Wiesental»

Standort: Sagi-Weg 4 / Baujahr vor 1862

12 Brunnen «Schulhaus Mösli»

Standort: Gerlisbergstrasse 20 / Baujahr um 1964

Mit dem Bau des Schulhauses C wurde die Wasserquelle abgegraben und seither führt der Brunnen kein Wasser mehr.

13 Brunnen «im Kratz»

Standort: Gerlisbergstrasse 5 / Baujahr 1840

14 Brunnen der evang.-ref. Kirche Bassersdorf

Standort: evang.-ref Kirche Haupteingang, Platz linke Seite / Baujahr 1964

15 Brunnen im «Underdorf»

Standort: Klotenerstrasse 25 / Baujahr 1870

16 Brunnen im «Underdorf»

»Standort: Weingasse 2 / Baujahr 1870

17 Wasserreservoir in der «Hueb»

In der Zeit als die letzten Brunnen gebaut wurden entstanden die ersten Hauszuleitungen. So entstand beispielsweise 1879 die Quellwasserfassung in der Gyrhalde. Da immer mehr Hausanschlüsse gefordert wurden beschloss man 1891 eine Hauswasserversorgung und Hydrantenanlage zu bauen. Es entstand das Reservoir Hueb und ein neues Leitungsnetz mit 34 Hydranten. 1908 konnte das Reservoir Hueb mit einer weiteren Quelle von Birchwil gespeist werden und zugleich erhielten alle restlichen Häuser die Wasserzuleitungen. Von diesem Zeitpunkt an verfügte jede Wohnung über fliessendes Wasser.
Die vorhandene Reservoir-Kapazität reichte bis 1920. Dann baute man ein neues Wasserversorgungsnetz mit einer Grundwasserfassung im Geeren und ein neues Reservoir im Steinlig.
Übrigens: Um den hohen Wasserverbrauch zu senken, wurden 1958/59 in allen Häusern Wasseruhren installiert. Mit dieser Massnahme ging der Wasserverbrauch um fast die Hälfte zurück.