Der Ortsteil Baltenswil

Das Dorf Baltenswil mit seinen gut 300 Einwohnern hatte bereits eine bewegte Geschichte hinter sich, als es 1931 in die Politische Gemeinde Bassersdorf aufgenommen wurde. So besass es früher ein eigenes Bürgerrecht. Baltenswil wurde 1465 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Es ging um die Frage, wohin Heiri Dübendorfer von Baltenswil die Kosten des eidgenössischen Feldzuges gegen Mailand zu steuern habe, nach Illnau oder Bassersdorf. Bereits damals entschied die Obrigkeit: «Der Spitalhof zu Baltenswil gehöre nach Bassersdorf, infolge der vor Jahren gemachten Teilung der Grafschaft Kyburg.»

Sicher ist, dass Baltenswil beim Bau des Schulhauses Baltenswil 1825 eine eigene Gemeinde war. Unklar ist, weshalb Baltenswil in den folgenden Jahren Bestandteil der Politischen Gemeinde Nürensdorf wurde. Diese Lösung vermochte nicht zu befriedigen; so suchte Baltenswil zuerst das Gespräch mit Brüttisellen zwecks Bildung einer neuen Politischen Gemeinde. 1896 wurde an einer Zivilgemeindeversammlung beschlossen, «es sei die Gemeinde Bassersdorf anzufragen, ob sie bereit wäre, die Zivilgemeinde Baltenswil in den Gemeindeverband aufzunehmen». Bassersdorf war nach zweimaliger Vorlage dieses Traktandums an der Gemeindeversammlung bereit, Baltenswil aufzunehmen. Das Ansinnen scheiterte aber am Widerstand der Gemeinde Nürensdorf sowie demjenigen des Bezirks- und Regierungsrates. Als Ende der zwanziger Jahre der Bezirksrat sein Einverständnis zur Vereinigung kundtat, kam das Baltenswiler Anliegen nochmals vor die Bassersdorfer Gemeindeversammlung. Wiederum bedurfte es zweier Anläufe, bis am 22. Dezember 1929 die Gemeindeversammlung die Aufnahme von Baltenswil beschloss.

Ein halbes Jahr später beschloss Nürensdorf die Zustimmung zur Entlassung von Baltenswil und am 1. Januar 1931 konnte der Anschluss als vollzogen erklärt werden. Baltenswil gab zu diesem Zeitpunkt ebenfalls die Zivilgemeinde auf. Es sollten aber noch einige Jahrzehnte ins Land ziehen, bis Baltenswil die Post mit Bassersdorf gemeinsam hatte und die Baltenswiler Kinder nach Bassersdorf zur Schule gehen konnten.

Mit dem Bau der neuen Landstrasse Zürich-Tagelswangen-Kemptthal-Winterthur, 1841 bis 1845, erlebte Baltenswil einen wirtschaftlichen Aufschwung. Die Fuhrleute und die Postkutschen wählten diese Strasse (statt über den mühsamen Weg von Bassersdorf über Brütten-Steig nach Winterthur), was für Bassersdorf einen wirtschaftlichen Einbruch bedeutete.

So entstand im heutigen Hotel «Pöstli» eine Poststation mit Postbüro und einer Pferdewechselstation. Von dieser Poststation aus erfolgte der tägliche Brief- und Paketpostversand für die Orte Baltenswil, Wangen, Dielikon, Bassersdorf, Nürensdorf, Breite, Oberwil, Birchwil und Breitenloo, im Sommer mit einem zweirädrigen Stosswagen, im Winter mit einem Schitten.

Mit der Eröffnung der Eisenbahnlinie von Winterthur nach Zofingen via Effretikon-Bassersdorf-Kloten im Jahre 1877 verlor die Strasse an Bedeutung, Bassersdorf blühte auf, und Baltenswil bekam den wirtschaftlichen Einbruch zu spüren.

Bis vor kurzer Zeit hatte Baltenswil den Charakter eines Bauerndorfes. Davon zeugen die stattlichen Bauernhäuser, welche der Hauptstrasse (Bassersdorferstrasse) entlang stehen. Der Ortsteil besitzt mehrere Gaststätten. Eine Augenweide ist der unter Denkmalschutz stehende ehemalige Gasthof «Schwanen», welcher heute ein Bestandteil des Erziehungsheimes «Landheim Brüttisellen» ist. Das Landheim, gegründet 1882 durch Caspar Appenzeller, beherbergt männliche Jugendliche in schwierigen Lebenssituationen.

Nachdem sich Baltenswil in der Vergangenheit nur sanft verändert hatte, einige Einfamilienhäuser und Mehrfamilienhäuser wurden gebaut, sind mit der Überbauung der Quartiere Steinächer und Waldacher zahlreiche Neubauten realisiert worden, was zu einer Verdoppelung der Wohnbevölkerung führte.

Zu schaffen macht Baltenswil, als auch Bassersdorf, der Verkehr. Die Bassersdorfer- und die Neue Winterthurerstrasse sind vielbefahrene Durchgangsstrassen und zerschneiden das Dorf. Seit dem Jahr 2000 fährt ein Bus nach Baltenswil und kommt damit einem langgehegten Wunsch der Bevölkerung nach.

(verfasst 2009)

Quellennachweis

Literaturverzeichnis
Der Ortsteil Baltenswil   Homepage Gemeinde Bassersdorf, 2004
Broschüre Gemeinde Bassersdorf, 2002
Abbildungsverzeichnis
Brunnen in BaltenswilFoto im Privatbesitz, 2011