Die Gemeinde Bassersdorf

Bei der Renovation der reformierten Kirche (1963/64) kamen Reste einer römische Villa zum Vorschein. Der älteste, bei Ausgrabungen erfasste Kirchenbau ist romanisch und wird 1370 erstmals erwähnt, als Filiale (St. Johann) von Kloten. 1509 erhielt die Kapelle das Taufrecht. 1518 wurde eine Pfründe gestiftet und 1520 wurde der erste Pfarrer eingesetzt. In der Reformation wurde Bassersdorf (mit Nürensdorf) eine selbstständige Kirchgemeinde im Regensberger Kapitel. Die Kollatur lag beim Zürcher Rat.

Seit 1973 besteht die römisch-katholische Kirche St. Franziskus mit Pfarramt. Sie gehört zu einer römisch-katholischen Kirchgemeinde, die auch Kloten und Nürensdorf umfasst.

Bassersdorf liegt an der römisch und mittelalterlichen Strassenverbindung von Zürich nach Winterthur. Siedlungsschwerpunkte waren die ehemalige Gewerbesiedlung mit Mühlen und Sägerei (heute Schaubetrieb) am Altbach, der langgestreckte Dorfteil entlang der Landstrasse mit Zentrum an der Verzweigung nach Kloten sowie im Westen das Unterdorf (Haufendorf).

Der Name Bassersdorf deutet auf alemannischen Ursprung im 8. bis 9. Jahrhundert hin. In den Traditionsnotizen des Stiftes Einsiedeln aus dem 10. bis 14. Jahrhundert findet sich ein kurzer Vermerk, wonach der Mönch Eberhard dem Kloster seinen Hof zu Basselstorff vermachte. Eine entsprechende Urkunde ist nicht mehr auffindbar. Doch in einer gesiegelten Schenkungsurkunde des Edlen Gerung an das Kloster St. Martin auf dem Zürichberg vom 15. November 1155 ist Bassersdorf erstmals erwähnt.

Bassersdorf gehörte hoch- und niedergerichtlich zur Grafschaft Kyburg und gelangte mit dieser an die Stadt Zürich.

Gemäss der Offnung um 1420 wählte die Gemeinde an der Herbstversammlung einen Dorfweibel, der auf Verlangen des Vogtes auch in den umliegenden kyburgischen Weilern von Baltenswil bis Geerlisberg amtete.

Die Habsburger, danach die Grafen von Toggenburg waren Inhaber der Herrschaft und des Blutgerichts. Diese gingen dann an Zürich über, das bis 1798 ihre Herrschaftsrechte durch die Landvogtei Kyburg ausüben liess. Nun trat Bassersdorf, das nicht eben viel von sich reden machte, einen Augenblick aus der Namenlosigkeit: 1798 wurde Bassersdorf Hauptort eines Distrikts, der aber bald im Bezirk Bülach aufging. Daran erinnert, dass Bassersdorf heute Sitz eines Notariates ist.

Der Strassenverkehr war in der frühen Neuzeit ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor (zwei Gasthöfe, Pferdestation, Reparaturwerkstätten). Der Boden war bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts stark parzelliert, die Betriebe blieben klein, nur wenige wurden von Vollbauern, die meisten von Kleinbauern mit zusätzlicher nicht-agrarischen Erwerbstätigkeit geführt. Viele Wohnhäuser waren von zwei oder mehr Familien belegt.

Im Register der Feuerassekuranz (mit 90 Hausnummern) von 1812 sind 67 Handwerker nachgewiesen. Auch die textile Heimindustrie war verbreitet. 1789 beschäftigten sich 18% der Einwohner saisonal mit Baumwollspinnerei. Die klein strukturierte Landwirtschaft war krisenanfällig: Bei den Teuerungen von 1794-96 und 1817 erhielten rund ein Viertel der Haushalte Armenunterstützung. 1840 baute der Kanton gegen den Willen der Gemeinde eine neue Landstrasse von Zürich nach Winterthur über Brüttisellen-Baltenswil statt über Bassersdorf. Es folgten eine wirtschaftliche Stagnation und bis 1880 eine leicht rückläufige Bevölkerungsentwicklung. 1840 fand in Bassersdorf eine liberale Volksversammlung in Anlehnung an den Ustertag statt. Schrittweise erfolgte die Ablösung der alten Agrarverfassung: 1826 Zehnten- und 1833 Grundzinsablösung, 1845 Allmendaufteilung, 1860 Flurwegnetz. 1866 errichteten die Gebrüder Bürkli, Zürich, in der alten Gewerbesiedlung eine Seidenzwirnerei (1880 ca. 100 Beschäftigte).

Nach dem Bau der neuen Landstrasse Zürich-Tagelswangen-Kemptthal-Winterthur, 1841 bis 1845, beklagten Handwerker und Wirtsleute grosse finanzielle Einbussen, da die Fuhrleute nun den alten Weg über Bassersdorf und die mühsame Steig, die meist nur mit Vorspann bewältigt werden konnte, kaum mehr benützten.

Die Einwohnerzahl sank, doch die verlockende Aussicht auf eine Bahnlinie weckte neue Hoffnungen. Am 6. Oktober 1872 beschlossen die Stimmbürger von Bassersdorf «mit an Einmut grenzender Mehrheit», sich mit sFr. 100'000.00 an der zukünftigen Nationalbahnstrecke Winterthur-Zofingen zu beteiligen «in der Meinung, dass eine Station in der nächsten Nähe des Dorfes angelegt werde». Seit 1877 stand also dieser Bahnhof im Herzen von Bassersdorf. Das Dorf wuchs um die Station, die zuerst von der Nationalbahn, später von den Bundesbahnen bedient wurde.

Um den Bahnhof entstand ein Geschäfts- und Gewerbequartier mit den 1899 erbauten Verlags- und Druckereigebäuden der Familienzeitschrift «Die Schweizerfamilie» sowie der Lokalzeitung «Die Glatt» (heute Regionalzeitung «Zürcher Unterländer»). Eine Industrieansiedlung fand aber nicht statt. 1920 waren 28% der Beschäftigten im 1. (Land- und Forstwirtschaft), 54% im 2. (Industrie und Gewerbe) und 10% im 3. Sektor (Handel und Dienstleistungen) erwerbstätig. 1932 wurde im Schatzackerquartier eine «grüne» Gemeinschaftssiedlung erstellt (Siedlungs- und Gartenbaugenossenschaft Siga), die personell mit der heute noch bestehenden Lebensmittelkette «Reformhaus» verbunden war. Nach dem 2. Weltkrieg wurde Bassersdorf Teil der Agglomeration Zürich. In diesem Prozess entstanden anfänglich Einfamilienhäuser, seit den 1960er Jahren mehrheitlich Wohnblöcke. Bassersdorf entwickelte sich zur Wohngemeinde mit (1990) 76% Wegpendlern. Eine in den 1970er Jahren ausgeschiedene Industriezone in der 1950-52 meliorierten Ebene gegen Kloten wird zurzeit zaghaft belegt. 1990 zählten knapp 3% der Beschäftigten zum 1. und 61% zum 3. Sektor.

Im Zusammenhang mit der neuen Flughafenlinie (1977) und dem Ausbau auf Doppelspur wurde am südlichen Dorfrand der Bahnhof an die Peripherie versetzt und eine neue Station errichtet. Die Bahn «zerschneidet» das Dorf nicht mehr. Seit dem Frühjahr 1980 ist der «alte Bahnhof» stillgelegt und wird in naher Zukunft (um 2005) einer Zentrumsüberbauung weichen müssen. Mit der neuen Bahnlinie richtet sich das Leben nun mehr und mehr nach Zürich und dem Flughafen Kloten.

Im April 2007 konnte die Gemeinde Bassersdorf seinen 10'000 Einwohner begrüssen und erreichte somit im Kanton Zürich als 27. Gemeinde Stadtgrösse.

Im Jahre 1420 umfasste Bassersdorf 39 Höfe.

1634 lebten 310 Einwohner im Dorf. 1710 waren es 718, 1836 deren 825 und 1850 bereits 959. Im Jahre 1900 wurde das erste Mal die «Tausendergrenze» mit 1'092 Einwohnern überschritten. 1950, die Ortschaft Baltenswil gehörte nun dazu, waren es 2'143 Einwohner; 1970 schon 5'590 und 2000 schliesslich 7'515. Am 01.01.2004 zählte die Gemeinde 9016 Einwohner, deren Alterstruktur wie folgt aussieht: 0-19 Jahre 24%; 20-64 Jahre 65%; 65 Jahre und älter 11%. Im April 2007 wurde Bassersdorf mit seinem 10`000 Einwohner zur Stadt.

(verfasst 2009)

Quellennachweis

Literaturverzeichnis
Die Gemeinde Bassersdorf            Homepage Gemeinde Bassersdorf, 2004
«Historisches Lexikon der Schweiz» 2004
Broschüre Gemeinde Bassersdorf, 2002
Abbildungsverzeichnis
Kirche Bassersdorf Foto im Privatbesitz, 2009
DorfbachFoto von der Gemeinde Bassersdorf
Landheim Schwanen in BaltenswilFoto von der Gemeinde Bassersdorf