Bassersdorf ändert sein Gesicht

Schwache Konjunktur bremst den Bauboom nicht 

Ein Baustellen-Rundgang, aufragende Kräne dienen dabei als Wegweiser, bringt es an den Tag: unglaublich, was in Bassersdorf zurzeit alles gebaut und geplant wird. Angefangen in Baltenswil. Im Steinächer und Waldacher schiessen nach wie vor Einfamilienhäuser wie Pilze nach einem lauen Herbstregen aus dem Boden. Ein Ende der Vermehrung ist nicht in Sicht. Im Vorderdörfli, in der Nähe der eben erst fertig gestellten Smart-Siedlung, ist eine weitere Überbauung im Bau, wobei der ehemalige Volg-Laden den Neubauten weichen musste.

Der Südosten ist begehrt

Eine Neuüberbauung ist am Ende der Brunnenstrasse, am südöstlichen Siedlungsrand von Bassersdorf entstanden. An der gleichen Strasse, Richtung Dorf, an bester Hanglage, sind mehrere Terrassenhäuser bald bezugsbereit. Eine grosse Überbauung an der Breitistrasse ist ebenfalls bald fertig gestellt. Im neuen Bodenacherquartier herrscht momentan trügerische Bauruhe. Dafür herrscht im «Chrüzacher», in Bahnhofsnähe, emsige Bautätigkeit.

Wohneigentum überwiegt

Beim Geerenschulhaus musste die ehemalige Möbelfabrik Zürcher der Überbauung «Chlupf» weichen. Imposante Mehrfamilienhäuser stehen dort anstelle des einst weit herum bekannten Betriebes. Eine Grossüberbauung auf der «Inneri Auen» erstellt. Die Grundhalde Süd, am westlichen Dorfrand, ist mit Einfamilienhäusern überstellt. Auf der Grundhalde Nord («Säget»), mit Blick zum Friedhof und unter der Flugschneise, geht es den letzten freien Bauplätzen an den Kragen. An der Sägetstrasse sind ebenfalls neue Wohnhäuser entstanden.

Ein weiteres Quartier

Gut beschallt mit Fluglärm werden auch die ausgesteckten Terrassenhäuser an der Rebhalde einmal sein. Eine weitere Überbauung ist in der «Mülihalde» ausgesteckt. Und an der Schatzackerstrasse fanden fünf Bauherren ihr Glück. All dies ist wie die Spitze eines Eisberges. Unsichtbar befinden sich noch viele weitere Projekte und bereits erteilte Baubewilligungen in der Pipeline. Dazu kommt ein weiteres Quartier, die «Ufmatten», das Dreieck zwischen SBB-Geleisen, Baltenswiler- und Zürcherstrasse, die vor seiner Überbauung steht.

Bauboom hat Gründe

Die Deblockierung (Meinungsverschiedenheiten, Rekurse etc.) der Quartierpläne haben die anhaltenden Bautätigkeiten in den letzten paar Jahren ausgelöst. Als sich die Knoten endlich lösten, wurden fast gleichzeitig der Bodenacher, Steinächer, Waldacher, Bächli und die Grundhalde baureif. Zudem ist es heute möglich, Pensionskassenguthaben in Wohneigentum zu investieren. Dazu kommt die S-Bahn mit raschen Verbindungen nach Winterthur und Zürich und die Nähe zu Einkaufszentren.

Auswirkung der lange zurückliegenden Planung

All diese Faktoren sind gute Gründe, in Bassersdorf bei moderaten Landpreisen zu bauen. Die heile Natur unmittelbar vor der Haustüre ist ebenfalls nicht zu verachten. Nachteile wie Fluglärm und verstopfte Verkehrswege werden offenbar, allerdings meist nur bis zum Einzug, in Kauf genommen. Schade, dass die neuen Wohnquartiere zu seelenlosen Anhäufungen von Wohnraum verkommen. Darin findet man keine Beizlein, Cafés, Tante-Emma-Läden oder verträumte Plätzchen. Arbeit und Wohnen bleiben strikte getrennt. Die Grundlagen der Planungen liegen leider einige Jahrzehnte zurück. Interessantere Siedlungsformen sind heute aus finanziellen Gründen kaum mehr durchsetzbar.

Quellennachweis

Literaturverzeichnis
Bassersdorf ändert sein Gesicht    «Dorfblitz» vom 06/2003
Abbildungsverzeichnis
Dorfansicht altes BahnhofquartierFoto im Privatbesitz
Überbauung in BaltenswilFoto von der Gemeinde Bassersdorf