Beerdigungen in der Kirchgemeinde Bassersdorf-Nürensdorf

Beerdigungen

Bevor die Kirchgemeinde einen Kühlraum für die Leichen hatte musste eine verstorbene Person bis zur Beerdigung zu Hause am kühlsten Ort aufgebahrt werden. Dies war in heissen Sommertagen oft ein Problem. Manchmal konnte der Leichnam wegen des Verwesungsprozesses nicht mehr vor dem Haus und der Kirche aufgebahrt werden.

Eine knappe Stunde bevor der Verstorbene seine letzte Reise antrat wurde der Leichnahm vor seinem Haus aufgebahrt, damit die Leidleute von ihm Abschied nehmen konnten. Dann wurde der Sarg und die Kränze auf den Leichenwagen verladen und die Leidleute folgte zu Fuss dem Leichenwagen zur Kirche.

Der Leichenzug hatte eine geordnete Reihenfolge: Angeführt wurde der Leichenzug vom Leichenwagen, dahinter folgten die Angehörigen / Trauerfamilie, dann die Verwandtschaft, danach die Männer und zuletzt die Frauen, Jugendliche und Kinder. Mit der Zeit gab es eine Durchmischung der Männer und Frauen, welche hinter der Trauerfamilie liefen. Dies verlief parallel mit der Auflösung der Sitzordnung in der Kirche (Männer und Frauen sassen ursprünglich getrennt).

Bei der Kirche wurde der Leichnahm nochmals aufgebahrt, umgeben von den mitgeführten Kränzen. So erhielten die Kirchgänger, welche direkt in den Trauergottesdienst kamen, ebenfalls die Gelegenheit sich vom dem Verstorbenen zu verabschieden. Während der Trauerfeier wurde der Leichnam auf den Friedhof überführt, der Sarg ins Grab gelassen, zugedeckt und das Grab mit den Kränzen und Blumen geschmückt. Nach der Trauerfeier gingen die Trauergemeinde «aufs Grab» um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen.

Kirchgasse: Sarg und Kränze von Eduard Schäubli († 25.02.1951) wurden auf den Friedhof Bachtobel überführt. es benötigte beide Leichenwagen der Kirchgemeinde Bassersdorf dafür.
Einbiegung von der Kirchgasse in die Gerlisbergstrasse (Beerdigung Eduard Schäubli † 25.02.1951)
Grab von Eduard Schäubli wird für die Trauergemeinde vorbereitet († 25.02.1951)
Das Grab von Eduard Schäubli ist für die Trauergemeinde fertig († 25.02.1951)

Anschliessend an den Trauergottesdienst lädt die Familie des Verstorben Verwandte, Freunde und enge Bekannte des Verstorbenen zum Leidmahl oder Leichenschmaus ein.

Diese weltweit vorkommende Sitte war bereits in vorgeschichtlicher Zeit bekannt. Und es soll den Hinterbliebenen signalisieren, dass das Leben weitergeht und der Tod nur eine Station des irdischen Lebens darstellt. Das gemeinsame Essen soll im Gedenken an den Toten stattfinden und einen zwanglosen Rahmen bieten, in dem Geschichten rund um den Toten erzählt werden können, in Ergänzung zur kirchlichen Bestattung. Das Erzählen von Geschichten und Anekdoten dient zur Auffrischung der positiven Erinnerungen an den Verstorbenen. Die dabei oft entstehende Heiterkeit kann helfen, Emotionen abzubauen und mit der Trauerarbeit zu beginnen; der Leichenschmaus kann daher helfen, Abstand vom traurigen Anlass zu gewinnen und wieder eine gewisse Normalität zu erreichen.

Mit der Errichtung einer Aufbahrungsraumes auf dem Friedhof «Bachtobel» wird der Verstorbene direkt nach dem Tod in den Aufbahrungsraum überführt. Die Trauernden können hier in aller Stille vom Verstorbenen Abschied nehmen.

An der Beerdigung gehen die Angehörige, Trauerfamilie, Verwandte, Freunde und Bekannte zuerst auf den Friedhof, «aufs Grab» und nehmen Abschied vom Verstorbenen. Danach begeben sie sich in die Kirche zum Trauergottesdienst.

Mit dem Abschiednehmen des Verstorbenen auf «dem Grab» vor dem Trauergottesdienst erübrigten sich auch die Leichentransporte von der Kirche zum Friedhof.

Leichenwagenfahrer

Die politischen Gemeinden von Bassersdorf und Nürensdorf besassen je einen eigenen Leichenwagen. Bei vielen Kränzen wurde jeweils einander ausgeholfen. 

Der Leichenwagen von Bassersdorf war im «Steinligfriedhof» eingestellt.

Für die politische Gemeinde (Bassersdorf und Baltenswil) führten folgende Leute den Leichenwagen: ... Heiri Siber («Löwenwirt», Sidler («Löwenpächter»), Johann Heinrich Dübendorfer, Reinhold Dübendorfer, Albert Lienhart sen (Transportunternehmer, Unfall † 24.06.1962)

Helfer: Robert Bachmann sen (Architekt und Friedhofvorsteher), Albert Lamprecht sen (Schreinerei †1972), Albert Lamprecht (Schreinerei bis Mitte 70er Jahre).

Für die Leichentransporte der politischen Gemeinde Nürensdorf (Nürensdorf, Hakab, Breite, Oberwil, Birchwil, Breitenloo) war Alfred Lüssi verantwortlich.

Mit dem Unfalltod von Lienhart Albert (Bassersdorf) übernahm Alfred Lüssi sämtliche Leichentransporte der Kirchgemeinde Bassersdorf-Nürensdorf.

Leichenwagen von Bassersdorf
Überwurf für das Pferd, welches den Leichenwagen zog
Bei vielen Kränzen musste mit beiden Leichenwagen gefahren werden (Eduard Schäubli † 25.02.1951)

Totengräber


Albert Hug sen, 1906-1938
Albert Hug sen, (1938-1956
Maria Hug / Albert Hug, 1956-1978
Walter Ratgeb, Knecht bei Familie Hug, 1938-1978

Nach 1978 wurden die Gräber nicht mehr von Hand ausgehoben.

Erinnerungen

Reinhard Dübendorfer:

Ich musste vier Mal mit dem Leichenwagen ins Spital Bülach fahren um einen Leichnahm nach Bassersdorf zu überführen. Danach fanden die Transporte allesamt mit dem Leichenauto statt.

Mein Ur-Urgrossvater, «Dübendorfer Felixen», war Traueransager in der Gemeinde Bassersdorf. Wenn jemand gestorben war, war es seine Aufgabe dies in der Gemeinde zu verkünden. Seit da stammt unser Übername «Truri Reini».

 

Albert Lamprecht:

Die Helfer begleiteten ebenfalls den Leichenwagen. Sie halfen beim Einsargen, Leichentransport und bei der Bestattung im Friedhof mit.

Unser Schreiner-«Oberstift» (Lehrling im letzten Lehrjahr) half beim Einsargen mit.

Beim Einsargen half auch die Gemeindekrankenschwester mit (Schwester Pia oder Frau Binder).

 

Arnold Lienhart (von Breitenloo):

Die erste Bestattung auf dem neuen Friedhof («Bachtobel») war Ulrich Altorfer von Oberwil (Zivilgemeinde Oberwil), ihm folgten Berta Morf vom «Sternen» Breiten (Zivilgemeinde Breite) und mein Vater Arnold Lienhart von Breitenloo (Zivilgemeinde Birchwil). Erst danach fand der erste Bassersdorfer seine letzte Ruhe auf dem Friedhof «Bachtobel».