Ackerbau

«Wir pflügen und wir streuen
den Samen auf das Land.
Doch Wachstum und Gedeihen
steht nicht in unsrer Hand.»

Matthias Claudius

Pflügen - Vom Holzpflug zum Eisenpflug

Die wohl schwerste körperliche Arbeit, die ein Bauer zu verrichten hatte, war die des Pflügens. Mit den frühesten Geräten der Bodenbearbeitung, der Hacke und dem Hakenpflug, war das Umbrechen der Ackerkrume recht mühsam. Zudem musste in Ermangelung von Zugtieren der Pflug oft von einer zweiten Person gezogen werden. Beide Geräte waren aus Holz. Einige Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung bekam der Hakenpflug eine eiserne Spitze, aber erst mit der Erfindung der Pflugschar konnte breiter und tiefer gepflügt werden.

Doch alle diese Pflüge konnten den Boden nur aufreissen. Die konkave Schwingung der Pflugschar (um 1730 erfunden) ermöglichte erstmals ein Wenden des Bodens. Verbunden mit der Zugkraft von Pferden oder Ochsen konnten nunmehr grössere Flächen bearbeitet werden. Dennoch schaffte ein Bauer nicht mehr als etwa ein Drittel Hektar pro Tag. Er schaffte in drei Tagen die Arbeit, die ein Bauer mit einem 100 PS-Traktor heute in einer Stunde bewältigt.

Pflügende Ochsen (Rudolf Koller)

Egge - Zähne zur Bodenbearbeitung

Eggen haben in der Bodenbearbeitung vielfältige Aufgaben: Sie lockern, krümeln und ebnen die Bodenoberfläche und dienen somit nach dem Pflügen zur Vorbereitung der Einsaat. Sie können zur Unterbringung der Saat in den Boden eingesetzt werden und ihnen fällt die Aufgabe der Unkrautbekämpfung zu.

Die Zähne der Eggen werden durch den Boden gezogen, dabei lockern sie den Boden auf und reissen Unkrautpflanzen aus. Die Zähne sind immer so angeordnet, dass sie eine möglichst grosse Fläche erfassen. Mit einem Strick am Ende der Egge konnte der Bauer diese hin- und herreissen und zwischenzeitlich hochheben, um Unrat herauszuziehen.

Bauern mit Ochsengespann beim Eggen (Robert Zünd 1827-1909)

Säen - Mit der Maschine geht es gleichmässiger

Grundlage allen Ackerbaues ist der Getreideanbau. Die älteste Nutzform ist der Weizen in seinen Frühformen. Einkorn, Emmer und Dinkel. Heute macht der Weizenanbau ein Drittel der Weltgetreideproduktion aus, gefolgt von Reis (ein Viertel), Mais (ein Fünftel) und Gerste (ein Zehntel). Roggen, der noch im 19. Jahrhundert die Grundlage der Ernährung in Westeuropa bildete, speilt mit 3% Weltproduktionsanteil inzwischen eine untergeordnete Rolle.

Der Sämann, der das Korn auf dem Feld mit der Hand aussäende Bauer, ist neben dem pflügenden Bauern die symbolträchtigste Figur in der Darstellung der Landwirtschaft. Mit einem umgehängten Tuch, das vor dem Bauch mit Korn gefüllt wurde, oder einer umgehängten Saatwanne schreitet der Bauer über das Feld und versucht mit einer möglichst gleichmässigen Handbewegung das Korn auf dem Acker zu verteilen.

Mit der fortschreitenden Erkenntnis, dass ein Düngen des Bodens bessere Ernteergebnisse mit sich bringt, wuchs auch die Vermutung, dass eine gleichmässigere Aussaat, als sie von Hand je möglich sein würde, ebenfalls von Vorteil sein könne. Überlegungen, die Samen maschinell auszubringen, gab es schon seit dem 16. Jahrhundert. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren die Erfindungen dann soweit fortgeschritten, dass eine sogenannte Drillmaschine optimale Säergebnisse lieferte: aus einem grossen Saatvorratskasten, der zwischen zwei Räder montiert ist, werden die Samenkörner mittels einer Welle gleichmässig auf Öffnungen verteilt. Durch diese laufen die Körner in Schläuche, die bis auf den Ackerboden reichen. Dort garantieren speziell konstruierte Spitzen für ein gleichmässiges Ausbringen in richtig dosierter Menge. Für die unterschiedlichen Getreidearten lässt sich die Maschine entsprechend einstellen, so dass gleichmässige Reihen und Pflanzenabstände entstehen und der Samen in die richtige Bodentiefe gebracht wird.

Freibergerstute beim Säen mit der Sämaschine

Quellennachweis

Literaturverzeichnis

Pflügen - Von Holzpflug zum Eisenpflug

Landwirtschaftsmuseum Rhede DE

Egge - Zähne zur Bodenbearbeitung

Landwirtschaftsmuseum Rhede DE

Säen - Mit der Maschine geht es gleichmässiger

Landwirtschaftsmuseum Rhede DE

Abbildungsverzeichnis

Säen - Mit der Maschine geht es gleichmässiger

www.originalfreiberger.ch 2009