Wettervorhersagen aus alter Zeit

Wetterbüchlein 1505, Westfälisches Museumsamt

Bauernregeln - eine kurze Erklärung

Bauernregeln nennt man die sich meist auf die Wettervorhersage beziehenden Sprüche des Volksmundes. Meist bei den Kulturnationen vorhanden, fehlen sie auch primitiven Völkern nicht ganz. Bald gereimt, bald ungereimt, sind die Bauernregeln, deren Kenntnis naturgemäss unter der Landbevölkerung am ausgedehntesten ist, teils auf lokale Witterungserscheinungen gegründet, teils als Traditionsgut aus der Antike übernommen. Soweit die Sprüche antikes Gut bergen, sind sie durch Vermittlung der Kirche in Deutschland verbreitet worden; bekanntlich gehörte es schon frühe zu der Tätigkeit der Mönche, Feld- und Gartenbaukultur zu pflegen. Von diesen meist astrologisch beeinflussten Regeln, die vielfach das Ergebnis eingehender meteorologischer Beobachtungen des Altertums enthalten, sind ganz jene andern Sprüche zu trennen, die aus ungeschulter, naiver Naturbeobachtung des deutschen Volkes hervorgegangen sind und in die sich teilweise noch Relikte der deutschen Mythologie gerettet haben. Heute sind beide Richtungen so stark aneinander angeglichen, dass es unmöglich scheint, die Verbreitungsgebiete einzelner Vorstellungen geographisch gegeneinander abzugrenzen.

Die Form dieser, Bauernregeln genannten, Sprüche ist stets ein Bedingungssatz. Nach den in dem Nebensatz dieser Perioden enthaltenen Bedingungen darf man die Bauernregeln etwa in folgende vier Gruppen gliedern:
1. Astrologische Sprüche
2. Sprüche, in denen Aussagen für Ernte usw. gemacht werden
3. An Windeswehen, Donner und Blitzerscheinungen angeknüpfte Regeln
4. Weissagungen aus Erscheinungen der Tier- und Pflanzenwelt

1. Astrologische Sprüche

Die Astrologischen Bauernregeln sind zum grossen Teil auf antike Einflüsse zurückzuführen, die teils im Gefolge der Christianisierung der Germanen, teils auch mit dem Einzug der Astrologie im 11./12. Jh. in Deutschland Eingang gefunden haben. Besonders müssen hier Vergils Georgica von Einfluss gewesen sein. Die ältesten deutschen Sammlungen solcher Sprüche sind die Bauernpraktik von 1508 und Reynmanns Wetterbüchlein von 1510.

2. Sprüche, in denen Aussagen für Ernte usw. gemacht werden

Die Ernteweissagungen aus der Witterung bestimmter Monate und Tage gehören zu den auf lokale Beobachtungen durch die Landbevölkerung zurückgehenden Regeln. Beispiele:
Monatsregeln: «März trocken, April nass, Mai lustig von beiden was, bringt Korn in'n Sack und Wein ins Fass.»
«Der Mai kühl, der Brachmonat nicht nass, füllt dem Landmann Speicher, Keller, Kasten und Fass» (Pfalz).
Wochentagregeln: «Freitagswetter - Sonntagswetter.»
«Regnets Sonntags über das Messbuch, so hat man die ganze Woch' genug» (Eifel).
Spezielle Tage: Gehören in gewissem Sinne hierher, die an die Witterung bestimmter Tage im Jahr (Lostage oder Schwendtage) angeknüpften Regeln. Von Bedeutung sind:
a) die Tage von Weihnachten bis Epiphanias, die sogenannten Zwölften. Der Brauch, aus der Witterung dieser Nächte die Witterung der Monate des kommenden Jahres zu erforschen, ist über ganz Europa verbreitet; in Deutschland findet er sich wohl frühestens 1468 erwähnt.
b) Mit den Lostagen beschäftigt sich manche Bauernregeln. Ein Beispiel:
«Wie sich die Witterung vom Christtag bis heilig Dreikönig verhält, so ist das ganze Jahr bestellt» (Eifel).
Eine Reihe meist kirchlicher Festtage: Lichtmess (2. 2.), Siebenschläfer (27. 6.), Maria Heimsuchung (2.7.), Elias (20.7.), Lorenz (10. 8.), Bartholomäus (24.8.), Ägidius (1. 9.), Michaelis (29.9.), Lukas (18. 10.), Allerheiligen (1. 11.), Martini (11. 11.), Weihnachten (25. 12.).

Ein Teil der zu diesen Tagen gedichteten Regeln besteht mit seinen Beobachtungen und Weissagungen der Witterung zu Recht: vor allem die an Weihnachten und den Johannistag angeknüpften Prophezeiungen, da mit der in diese Zeit fallenden Sonnenwende Witterungswechsel einzutreten pflegt. Die in diesen Versen geweissagte Länge von Regenperioden ist in ihrer Zahlangabe oft allerdings nur durch den Reim bedingt und entbehrt so jeder Beobachtungsgrundlage. Bei den hier verwendeten Zahlen spielt 40 eine grosse Rolle. Ausserdem beachte man, dass den Bauernregeln, die an die Lostage anknüpfen, der alte Cäsarische Kalender zugrunde liegt; zu dem heutigen Datum sind also stets 12 beziehungsweise 13 Tage hinzuzuaddieren. Diese Feststellung ist das wichtige Ergebnis der grossen Sammlung und Bearbeitung landwirtschaftlicher Volksweisheit in Sprichwort und Wetterregelform. Zur Illustrierung auch hier wieder einige Beispiele:
«Wenn an Lichtmess die Sonne scheint, dauert der Winter noch lang».
«Nach Pankraz und Servaz schaden die Nachtfröste den Früchten nicht mehr».
«Wenn es am Tage der Siebenschläfer regnet, so hat man vier Wochen lang Regen zu erwarten».
«Egide Sonnenschein, tritt schöner Herbst ein» usw.

3. An Windeswehen, Donner und Blitzerscheinungen angeknüpfte Regeln

Einige Beispiele dazu:
Wind: «Wie der Wind am 3., besonders aber am 4. und 5. Tage nach dem Neumond ist, so weht er den ganzen Monat hindurch.» Diese auf Tage berechneten Windsprüche scheinen wieder auf antike Einflüsse zurückzugehen; auch das Altertum kennt Monats- und Jahresweissagungen aus den am Anfang des Zeitabschnittes wehenden Winden. Deutscher Beobachtung aber verdanken Regeln ihre Entstehung wie: «Wind vom Niedergang ist Regens Aufgang; Wind vom Aufgang, schönen Wetters Anfang» oder «Grosser Wind ist selten ohne Regen.»

Gewitter: «Wenn es im Westen blitzt, so blitzt es nicht um Nichts; wenn es aber im Norden blitzt, so ist es ein Zeichen von Hitz.» Auch in diesen Sprüchen möchte man antike Einflüsse aus den Blitzbüchern vermuten. Antike Einflüsse sind gleichfalls wohl für die Donnerweissagungen massgebend; wenn man Sprüche hört wie: «Wenn es donnert über dem nackten Holz, kommt der Schnee über das belaubte», oder: «Von wo im Frühjahr der erste Donner herkommt, von dort kommen im Sommer die gefährlichsten Wetter», oder: «Wenn es im Märzen donnert, wird es im Winter schneien», muss man an Verwandtes aus der antiken Literaturgattung der Donnerbücher denken.

Regen/Regenbogen: Unter den an atmosphärische Erscheinungen angeknüpften Regeln spielt auch der Regenbogen keine unbedeutende Rolle: «Regenbogen am Morgen, macht dem Schäfer Sorgen, Regenbogen am Abend, ist dem Schäfer labend» oder: «Zeigt sich ein Regenbogen, wird für den Augenblick schönes Wetter, bald regnets aber nach Ungnaden».

4. Weissagungen aus Erscheinungen der Tier- und Pflanzenwelt

Die letzte Gruppe umfasst die Regeln, die sich auf Erscheinungen der Tier- und Pflanzenwelt beziehen. Beispiele:
«Wenn die Bäume zweimal blühen, wird sich der Winter bis Mai hinziehen.»
«Wenn im Hornung die Mücken schwärmen, muss man im März die Ohren wärmen.»
Oder man erkennt die Witterung für die folgenden Tage aus dem Tun gewisser Kleintiere. So sagt der Bauer den Regen voraus, wenn er die Frösche schreien hört, wenn die Taube badet, die Gänse auf einem Fuss stehen, Hühner die Schwänze hängen lassen, Regenwürmer aus der Erde kriechen, wenn die Bienen sich nicht weit vom Bienenstock entfernen, massenhaft leer zurückfliegen usw.

Die eigentlich astrologischen Witterungsregeln spielen heute wohl kaum mehr eine Rolle. Die Kenntnis der andern Regeln wird aber bis auf unsere Tage durch die jährlich erscheinenden Bauernkalender, ferner durch die 100jährigen Kalender wachgehalten; diese Kalender sind neben dem Kreisblatt die fast tägliche, aber auch einzige Lektüre des Landmanns.

Der 100-jährige Kalender

Es ist immer wieder faszinierend wie die Wettervorhersage stimmen oder aber eben vollkommen daneben liegen kann. Diese Seiten sollen die Geschichte des 100-jährigen Kalenders - aufgestellt von Mauritius KNAUER erzählen.

Mit 100 Jahren hat der «100-jährige» nichts zu tun

Als sich Mauritius Knauer daranmachte, einen neuen, praktischen Kalender zu erstellen, lag es ihm fern zu behaupten, das Wetter wiederhole sich alle hundert Jahre, wie später immer wieder behauptet wurde und wie es auch heute manche immer noch verkünden. Er «erfand» auch nichts Neues, sondern versuchte lediglich, das, was seit vielen Jahrhunderten als Zusammenhang zwischen «Himmel» und Erde bekannt war, für seine Heimat, im grossen gesehen für Mitteleuropa, anwendbar zu machen.

Um den Hundertjährigen Kalender für die Wettervorhersage nutzen zu können, sollte man sich zunächst mit seinem Aufbau vertraut machen. Der Kalender beruht auf der Annahme, dass sich das Wetter alle sieben Jahre wiederholt.

Wer nun etwas über das Wetter erfahren will, muss also zunächst einmal das Planetenjahr bestimmen. Dazu ein Beispiel: Das Saturn-Jahr 2007 beginnt am 21. März 2007 und endet am 20. März 2008. Dass es sich um ein Saturn-Jahr handelt, ergibt sich aus der folgenden Rechnung:
Jahreszahl 2007 - um vier vermindern
ergibt 2003 - durch sieben dividieren
ergibt 286 - REST 1
Rest 1 - Position 1 = Saturn

Die unten stehende Tabelle zeigt die Jahresregenten von 2000 bis 2041. Ein Klick auf einen der «Jahresregenten» bringt Sie zu der Seite mit den gesammelten Zuordnungen und Beschreibungen nach Mauritius Knauer für das jeweilige Jahr, hier kann man sich dann über das zu erwartende Wetter informieren.

Wenn Sie nun 7 Jahre lang über das Wetter Buch führen würden, dann hätten Sie Ihren eigenen «100-jährigen Kalender».

Saturn

2000

2007

2014

2021

2028

2035

Jupiter

2001

2008

2015

2022

2029

2036

Mars

2002

2009

2016

2023

2030

2037

Sonne

2003

2010

2017

2024

2031

2038

Venus

2004

2011

2018

2025

2032

2039

Merkur

2005

2012

2019

2026

2033

2040

Mond

2006

2013

2020

2027

2034

2041

Quellennachweis

Literaturverzeichnis

Bauernregeln - eine kurze Erklärung 

© 2003-2010 / bauernregeln.net

Der 100-jährige Kalender

© 2003-2010 / bauernregeln.net