Truppen im Dorf

(Sagi-Bott 15.08.2026)

Ich habe die Ehre Euch heute am Sagi Bott 2026 über ein mir freigestelltes Thema zu sprechen. Betreffend meiner Sprechzeit für meine Ausführungen kann ich Ihnen folgendes sagen:
Das Wasser gibt dem Sager und das Feuer dem Schmied das Arbeitstempo vor und mir gibt der Kartoffelsalat das Zeitbudget vor. Aber Spass bei Seite.

Zuerst eine persönliche Bemerkung: Würde mein Vater noch leben, hätte er sicher grosse Freude daran, dass seine Schwiegertochter, also meine Frau, in der Sagi aktiv mitmacht. Er selber arbeitete von 1954-1958 hier in der Sägerei. Und über seine Erinnerungen wegen zu wenig Wasser für den Sägebetrieb ist nicht das Thema, über das ich Euch berichten will.

Damit zu meinem eigentlichen Thema unter dem Titel Truppen im Dorf. Es wird nur ein Abriss zum Thema sein. Und kurz gesagt: Wir hatten über die Jahrhunderte gesehen wenig Militär im Dorf gehabt, wenn auch in jüngeren Vergangenheit noch hie und da Truppen im Dorf einquartiert waren.

Wenn Sie sich nun Fragen: Was hat das Thema mit der Sagi zu tun? So kann ich Ihnen kurz und bündig sagen: Wenig bis gar nichts.

Ich erinnere mich jedoch, dass in meiner Kindheit hier auf diesem Platz ein dem Verfall preisgegebener Stall mit Scheune gestanden hat. Ich war als Primarschüler oft hier und habe unter anderem das Soldatengemälde an der Innenseite des Tenntores bewundert. Leider existiert meines Wissens kein Foto von diesem Kunstwerk. Ich war auch zugegen als das Gebäude abgebrochen wurde.

Nun zum Thema: Über Truppen in Bassersdorf wird das 1. Mal aus dem Alten Zürichkrieg in den 1440er Jahren berichtet. Sicher gab es schon früher Truppendurchzüge durch das Dorf oder später während der Schwabenkriege Ende des 15. Jhdt. Aber darüber fand ich nichts in den Quellen.

Über Schiessstände, Schiessvereine, passiver Luftschutz und Militärische Geländeverstärkungen werde ich nichts und zum Letzteren nur am Rande etwas sagen.

Alter Zürichkrieg (1436-1450)

So wird berichtet, dass während des Alten Zürichkrieg 1436-1450 sich die Eidgenossen hier in Bassersdorf zwei Mal sammelten, um gegen Zürich und anschliessend wieder nach Hause zu ziehen.

Zusammenbruch der Alten Eidgenossenschaft 1798

1798 marschierten die Franzosen in die Eidgenossenschaft ein. In der Schlacht bei Frauenfeld wurden sie von den Alliierten Truppen (Österreich und Russland) besiegt und hinter die Stadt Zürich und die Limmat zurückgedrängt.

Die Alliierten russischen Truppen unter General Korsakow besetzten das zurückeroberte Schweizer Gebiet, so auch Bassersdorf, die Alliierten österreichischen Truppen bezogen das Territorium im Süddeutschen Raum am Rhein.

1799 griffen die französischen Truppen unter General Massena die russischen Truppen an, besiegten diese und besetzten die ganze Schweiz. Die Russen mussten sich geschlagen gegeben und kehrten über die Notbrücke in Paradies bei Schaffhausen über den Rhein nach Russland zurück.

Es wird erzählt, dass hier in Bassersdorf im Löwen vorne die Franzosen in die Gaststätte eindrangen und hinten die Russen das Lokal verliessen. Was zum Schmunzeln anregt hatte einen ernsten Hintergrund. Mancher Russe liess auf der Flucht sein Leben.

Die französische Besetzung der Schweiz brachte uns 1803 die Gründung der Helvetischen Republik. Bassersdorf wurde dabei ein Distrikt (Bezirkshauptort).

1815 nach dem Wiener Kongress, welcher im Zuge der Absetzung Napoleons die Neuordnung Europas festgelegte, wurde Bülach neuer Bezirkshauptort, aber das Notariat blieb in Bassersdorf und erinnert uns heute noch an diese schwierige Zeit.

Gefechtsübung 1878


Nach der Totalrevision der Bundesverfassung 1874 wurde der Bund zuständig für die Armee. Die Truppen wurden daraufhin in Verbands-Gefechtsübungen geschult.

So fand am 23./24 September 1878 eine grosse Gefechtsübung im Raum Nürensdorf-Bassersdorf-Baltenswil statt. Beteiligte Truppen waren 2 Inf Rgt, 2 Art Bttr, 1 Art Bttr von Frauenfeld und 2 Drag-Schwadrone (Total: ca 6200 Soldaten / 500 Pferde):

  • Inf Rgt 21 und 23 mit je 3 Bat (5600 Soldaten);
  • 10cm Art Batterien Nr. 33 und 34, unterstützt durch Ersatzmannschaft, eine Anzahl Pferde der Fuhrwerke, eine dritte Batterie 8cm Schulgeschütze von Frauenfeld (300 Soldaten, 200 Pferde);
  • Dragoner-Schwadronen Nr. 17 und 24 (280 Soldaten).

In der ASMZ (Allgemeine Schweizerische Militärzeitschrift) jenes Jahres wurde über dieses Manöver ausführlich und detailiert in mehreren Ausgaben berichtet.

Der vollständige Bericht können Sie unter 3. Dienstleistungen: Gefechtsübung 1878 aufrufen.

Militärstatistisches Lexikon der Schweiz - Kantons Zürich von 1905


Im Militäristatistischen Lexikon der Schweiz - Kantons Zürich von 1905 (Vertrauliches Dokument) ist unter Bassersdorf sehr interessantes zu lesen:

  • 1092 Einwohner;
  • 222 Häuser (vermutlich sämtliche Bauten im Dorf);
  • 127 Wohnungen.
  • Telegraphen und Telefonstation: je 1;
  • Scheunen: 86;
    Tanzsäle und Schulhäuser: je 2;
  • Kirche: 1.

Unterbringung von Mannschaften

  • Mannschaft: 1568;
  • Hotel / Gasthaus: 1 mit 10 Betten;
  • Waschhäuser: 7;
  • Käserei: 1;
  • Bäckereien: 3;
  • Privatbacköfen: 19;
  • Öffentliche Waage: 1;
  • Schmiede- und Schlosserwerkstatt: 6;
  • Wagnerwerkstatt: 1;
  • Sattlerei: 1.

Unterbringung von Pferden:

  • Bei Herbstübungen: 173;
  • Im Mobilmachungsfall: 271;
  • Brunnen:12;
  • Sodbrunnen und Cisternen: -;
  • Tränkstellen: gen.[ügend]

Erster Weltkrieg 1914-1918


Am 28. Juli 1914 brach der 1. Weltkrieg aus. Der Bundesrat ordnete am 1. August 1914 die Mobilmachung der Schweizer Armee an. Oberstkorpskommandant Wille wird zum General gewählt.

Über Truppeneinquartierungen in Bassersdorf im 1. Weltkrieg findet man weder in den Armeebefehlen der Armee noch in den Gemeindeakten etwas darüber, was aber nicht heisst, dass keine Truppen einquartiert waren.

Dafür findet man erstaunliches in den Gemeinderatsprotokollen. Im Prot vom 11.08.1914 steht:

  • Um einigermassen in unserer Gemeinde während der Kriegszeit die öffentliche Sicherheit, Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhalten wird beschlossen auch hier eine Bürgerwehr zu bilden.

Im Prot vom 27.08.1914 sind die Vorschriften für die Bürgerwehr niedergeschrieben. Unter anderem steht (gültig ab dem 21.08.1914):

Organisation:

  • Bürgerwehr-Kommission bestellt aus drei Mitgliedern, welche die Anordnungen des Gemeindrates zu vollziehen haben;
  • Die Bürgerwehr besteht aus Ca 100 Mann, welche aus der neu eingeteilten Feuerwehrmannschaft rekrutiert werden. Dieselbe wird in Gruppen zu je 14 Mann, welche je eine Nacht den Wachtdienst zu besorgen haben, eingeteilt.

Zweck

  • Die Bürgerwehr hat den Zweck während dieser ernsten Zeit für Ruhe und Ordnung in der Gemeinde besorgt zu sein, allfällige Banden und Vaganten u.s.w. anzuhalten und die geeignet erscheinenden Massnahmen (Ausweisung oder Arretierung) zu treffen. Überhaupt hat diese für Sicherheit der Einwohner zu sorgen und deren Eigenthum zu schützen.

Dienstobliegenheiten

  • Die Mannschaft soll eine Armbinde als Abzeichen tragen (Kriegsvölkerrecht) die Bewaffnung besteht per Wachtposten in: 1 Ordonnanzgewehr und Stöcke.
  • Es wird scharfe Munition abgegeben.
  • Die Dienstleistung für die Bürgerwehr hat unentgeltlich zu erfolgen.

Im Prot vom 20.09.1914 wird das Reglement der Bürgerwehr niedergeschrieben. Unter anderem steht:

  • Der Wachtdienst dauert von abends 8 Uhr bis morgens 5 Uhr.
  • Die jeweils aufgebotene Mannschaft wird in zwei Schichten eingeteilt.
  • Jede Schicht ist in zwei Unterabteilungen von zwei Mann eingeteilt, von denen je einer mit einem Ordonanzgewehr ausgerüstet ist
  • Alle Personen, sowie Fuhrwerke jeder Art, die nach nachts 11 Uhr, im Gemeindsbanne von einem Wachtposten getroffen werden, müssen angehalten werden und haben sich über ihre Personalien event. über den Grund ihres Hierseins genügend auszuweisen.
  • Ungenügender Ausweis führt zur Arretierung.
  • Die Wachtmannschaft wird durch eine Armbinde (näher zu bezeichnen) gekennzeichnet.
  • Nur wer mit dieser Auszeichnung versehen ist, hat das Recht die Obliegenheiten eines Bürgerwachtpostens auszuüben.
  • ... dieses Reglementes und ist am 1 September 1914 vom Gemeindrat gutgeheissen worden ...

Für die Bürgerwehr wurde eine Kollektivversicherung für 7 Mann auf 3 Monate bei der schweizerischen Unfallversicherungsgesellschaft abgeschlossen.

Im Prot vom 28.09.1914 steht:

  • Auf Anregung von Herrn J. J. Brunner Präsident betr. das Funktionieren der hiesigen Bürgerwehr, wird in Anbetracht des Abreichens der Feldfrüchte u Gemüse zur Sicherheit vor stehlen solcher, und Herumziehen von Personen beschlossen die Bürgerwehr Abteilungsweise im unbestimmten Nächten funktionieren zu lassen, ...

Im Prot vom 26.10.1914 ist folgendes über einen Vorfall zu lesen:

  • Am 10./11. Oktober ... Der Doppelposten, welcher um 12 Uhr die Weingasse patrulliert ... betreffen in den dortigen Baumgärten Ca 4 junge Männer auf der Flucht indem dieselben den genannten Posten deponieren, dass von Otto Hirt, Bierdepot vom Bahnübergang (bei der Strasse) auf öffentlichem Grunde aus, auf sie geschossen worden sei, und sie beim Wegspringen deutlich das Aufprallen der Schrotkörner an der Mauer beim Löwen gehört haben. ... dass genannter Otto Hirt, mit den stärksten Schimpfwörtern die Wachtposten tituliert habe und mit seiner bereitgehaltenen Schusswaffe bedroth.

Jn Anbetracht dass:

I ... bei jeder Gelegenheit dieser Hirt stets die gemeinsten Ausdrücke wie (Hallunken, Schulbuben) auf die ordnungsgemäss funktionierende Bürgerwehr anwendete.

II dieser O. Hirt verschiedenorts deutlich gesagt hat, dass er Munition genug habe für die Bürgerwehr, und mit Schiessen auf die Posten gedroht hat

III O. Hirt durch das Schiessen und Gefährdung von Personen um Mitternacht eine grobe Ruhestörung (in weiter Umgebung sind die Leute aufgeschreckt) begangen hat, überweisen sie diese Angelegenheit an den Gemeindrat zur gesetzmässigen Ahndung (wiederrechtlicher Gebrauch von Schusswaffen) ...

Ab dem 28.11.1914 ist nichts mehr in den Protokollen und Akten über die Bürgerwehr verzeichnet. Vermutlich wurden diese Bürgerwehren in der Schweiz von den Behörden eingestellt.

Am 11.11.1918 Ende der 1. Weltkrieg. Der General wurde entlassen, aber die Armee im Aktivdienst behalten. Die Gründe waren der Generalstreik 1918 und die Arbeiteraufstände sowie der Ausbruch der Spanische Grippe. Erst 1920 wurde der Aktivdienst beendet.

Im November 1918 wies das das Statthalteramt Bülach die Gemeinden an zu prüfen, ob in der Gemeinde eine Bürgerwehr geschaffen werden soll.

Im Prot vom 14.11.1918 steht unter anderem:

  • Jn Anbetracht da sich in hiesiger Gemeinde von Unruhen nichts bemerkbar machte wurde beschlossen, vorderhand noch keine Bürgerwehr zu gründen.

Schliesslich beugte sich Bassersdorf dem Statthalteramt. Im Prot vom 11.02.1919 steht:

  • ... dass er [J. Brunner Präsident] nochmals an einer Konferenz in Bülach betreffend Bestellung von Gemeindewehren habe teilnehmen müssen und er beantrage, da alle Gemeinde solche eingeführt haben, dass auch hier für alle Fälle wenn es nötig ist eine solche bestellt werden solle.

Im Prot vom 19.03.1919 steht betreffend Gemeindewehr:

  • ... keine Schiesswaffen abgegeben ...;
  • ... im Ernstfalle sei hauptsächlich die Linie Zürich-Winterthur zu bewachen ...
  • betreffend Munition wird mitgeteilt, dass solche bereits bezogen worden, und befinde sich gegenwärtig im Hause des Herrn Robert Bachmann, ...
  • ... Gemeindewehr beträgt 112 Mann mit 3 Mann der Commission ...
  • ... auch wurde über die Versicherung der Mannschaft gesprochen ...

Im Prot. vom 03.07.1937 wird das Kapitel Bürgerwehr erst ad acta gelegt, indem man beschloss

  • Da in Bassersdorf keine Bürgerwehr mehr besteht, so wird zufolge dessen die Unfallversicherung der Schweiz. Unfallversicherung in Winterthur aufgehoben.

Zweiter Weltkrieg 1939-1945

Am 01.09 1939 brach der 2. Weltkrieg aus. Die Schweizerarmee wurde auf den 03.09. mobilisiert. Oberstkorpskommandant Guisan wird zum General gewählt.

Mit dem Operationsbefehl Nr 1 vom 01.09.1939 (Mobilmachungsaufstellung) bis zum Operationsbefehl Nr 2 vom 01.10.1939 (Bezug Limmatstellung) werden Truppen in Bassersdorf und Umgebung stationiert:

  • Kommandoposten 6. Div: Bassersdorf (Löwen);
  • Div Trp der 6. Div: Bassersdorf-Baltenswil-Brüttisellen;
  • Art Abt 18 (Art Rgt 6): Nürensdorf-Breite-Birchwil-Oberwil.

Das Inf Rgt 26 erstellt im Eigental, Raum Schwelli (Oberembrach Wald Edlibruck und Schwellihau) eine Sperre und im Hohlberg (Abseits der Eigentalstrasse) 2 Unterstände / Magazine.

Der Raum zwischen Grenzbrigaden und Limmat wurde mit Bezug der Limmatstellung durch die Leichte Brigade 3 (motorisierte Einheiten, Radfahrer und Kavallerie) mit Verzögerungskampf verteidigt.

Mehrheitlich waren seit dem Oktober 1939 in Raum Bassersdorf- Nürensdorf Brütten Fliegerabwehr-Einheiten im Dienst.

Am 05.07.1940 erfolgt der Befehl vom Armeekommando Ortswehr zu bilden, bestehend aus nicht mehr dienstpflichtigen Männer und ausgehobenen Rekruten. Auch hier in Bassersdorf wurde eine Ortswehr aufgestellt.

In den Prot des Gemeinderates Bassersdorf sind ab 1943 vermehrt Einträge betreffend Armee und Truppen festgehalten

Prot vom 30.12 1943 Das Kommando des L. Rgt. 5 verdankt dem Gemeinderat das Weihnachtsgeschenk von Frs. 100.- zugunsten der Unterstützungskasse in einer zeichnerischen Danksagung.

Prot vom 13.01.1944 Mit Schreiben vom 31. Dezember 1943 verdankt das Kommando der mot. Mitr. Kp. 6 die Weihnachtsgabe der Gemeinde.

Prot vom 24.02.1944

  • Mit Schreiben vom 14. Februar 1944 ersucht die Sekundarschulpflege den Gemeinderat, dahin zu wirken, dass bei Einquartierung von Truppen in Zukunft die Schulhäuser nicht mehr belegt werden.
  • Der Sek. Schulpflege wird geantwortet, dass der Gemeinderat bereits beim E.M.D. in Bern die Stellung von zwei Baracken nachgesucht hat.
  • Das Kommando der mot. Mitr. Kp. 6 hat mit Schreiben v. 16. Februar 1944 dem Gemeinderat die freundliche Aufnahme seiner Truppen in unserer Gemeinde bestens verdankt.
  • Auf unser Gesuch an das E.M.D. in Bern um Lieferung von 2 Militärbaracken teilt das Kdo. der Flieger- und Fliegerabwehrtruppen mit, dass in nächster Zeit in Bassersdorf keine Flab-Truppen einquartiert würden. Somit wäre unser Gesuch vorläufig erledigt.

Prot vom 23.10.1944 Auf telef. Anfrage des Kommandos der Ter. Kp. 143 wird beschlossen, den Boden in der Militärküche beim Freihof neu erstellen zu lassen. Gleichzeitig soll ein Abwaschtrog zum Preis von Frs. 50.- angeschafft werden.

Prot vom 03.11.1944 Der Oberbefehlshaber der schweiz. Armee, Herr General Guisan verdankt die ihm vom Gemeinderat gesandten Glückwünsche zum 70. Geburtstag. Vormerk am Protokoll wird beschlossen.

Prot vom 24.11.1944 Das Kommando des Ter. Füs. Bat.143 hat mit Schreiben v. 22.11.1944 dem Gemeinderat die freundl. Aufnahme in der Gemeinde Bassersdorf anlässlich des 4-wöchigen Aktivdienstes verdankt

Prot vom 01.02.1945 Das Kdo des Ter. Füs. Kp.184 verdankt dem Gemeinderat die freundliche Aufnahme seiner Truppe anlässlich des Aktivdienstes vom 18. Dezember 1944 bis 18. Januar in unserer Gemeinde

Während des Aktivdienstes 1939-1945 waren 80 Armee-Einheiten mit total 981 Diensttagen (2 2/3 Jahre) im Dorf einquartiert und belegten das Primarschulhaus. Die Schule wurde in den Turnschopf, später in die Methodistenkapelle ausgelagert.

1944 Dieter Bührle (*1921) Erinnerung als Flab Lt in Oberwil:
Er hatte nur den Sold. Der Vaters gab ihm kein zusätzliches Geld, mit der Begründung, dass die Soldaten und Offiziere auch nur mit ihrem Sold auskommen müssten. So sass er oft in den Küchen der Oberwiler bei einem Kaffee und Schnaps und berichtete darüber (sass auch bei meinen Grosseltern in der Küche).

Militär im Dorf seit 1945

1960er und 1970er konnte man bei Truppenbelegung jeden Abend in der Militärküche im alten Primarschulhaus Suppe fassen. Damit konnten Familien mit niedrigem Einkommen Geld sparen. Ich erinnere mich, dass jeweils über 40 Kinder mit Milchkesseli in Einerkolonne dastanden. Wir hatten immer ein Gaudi. Später wurde mir bewusst, welche Familien auch nicht so begütert waren.

Ab 1965 stand der Truppe die Zivilschutzanlage Mösli zur Verfügung, gekocht wurde aber immer noch im alten Primarschulhaus.

Von 1976-Ende 1990er Jahre stand der Truppe bei einer Einquartierung die Militärunterkunft Geeren mit eigener Küche und Speisesaal zur Verfügung. Ich habe mit meiner Festungs-Einheit (Betr Kp Fest Rgt 4) als letzter Verband einen WK in der Militärunterkunft Geeren verbracht. Die Rekrutenschulen von Kloten und Dübendorf belegten danach bis zu deren Schliessung noch einige Male die Militärunterkunft.

In den 1980er Jahren baute das Armeekommando für das Flhf Rgt 4 einen Festungsminenwerfer in Bassersdorf. Die zugeteilte Festungstruppe leisteten ihren Dienst aber jeweils in der Anlage und nicht mehr im Dorf.

Letzte grosse Militärübung in Bassersdorf


Mit dem Bau der Flughafenlinie (Eröffnung 31.05.1980) wurde der Bahnhof an die Dorfperipherie verlegt und die Schienenanlagen der alten Bahnlinie durch das Dorf zurückgebaut. Doch bevor der Rückbau begann, gab es eine 3tägige Militärübung. Die Gleisanlage wurde zerstört und so hergerichtet, als sei sie bombardiert worden.

Der Militäreisenbahndienst stellte innert 3 Tagen die Bahnanlage wieder so her, dass Züge wieder hätten durchfahren können.

Quellen

Text

Die Gefechtsübung bei Bassersdorf und Brütten am 23. und 24. September 1878, ASMZ 1878, Seite 331/332

diverse geschichtliche Publikationen (GMS, Militärbibliothek, Vorträge etc)

Erinnerungen von Personen an das Militär im Dorf oder ihre eigene Militärzeit in Bassersdorf und Nürensdorf

Gemeindearchiv Bassersdorf, Gemeinderatsprotokolle

Gemeindearchiv Bassersdorf, Gemeindversammlungsprotokolle

Militärischen Lexikon des Kantons Zürich von 1905 (Vertrauliches Dokument)

Schweizer Bahnen unter Fahnen, Geschichte des Militäreisenbahndienstes, Paul Winter, MINIREX, 1988

Bilder

Die Gefechtsübung bei Bassersdorf und Brütten am 23. und 24. September 1878, ASMZ 1878, Seite 331/332

Militärischen Lexikon des Kantons Zürich von 1905 (Vertrauliches Dokument)

Private Bilder

Schweizer Bahnen unter Fahnen, Geschichte des Militäreisenbahndienstes, Paul Winter, MINIREX, 1988